Aktuelles - Kurzbericht AGT 20. 11. 2012 - 10. 2013 - Verein Kinder- und Jugendhilfe Frankfurt am Main e.V.

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Aktuelles - Kurzbericht AGT 20. 11. 2012 - 10. 2013

Anti-Gewalt-Training des Vereins Kinder- und Jugendhilfe Frankfurt/Main e.V.
Das AGT ist ein spezielles Training für überdurchschnittlich gewalttätige männliche Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 16 bis 21 Jahren.

Die Vorgespräche begannen im November letzten Jahres mit einzelnen Teilnehmern. Diese Gespräche waren notwendig zur Motivationsabklärung und Eignung für die Teilnahme am AGT.

Das Gruppentraining konnte am 04.06.2013 mit sechs Teilnehmern starten und endete am 29.10.2013 nach der 20. Sitzung. Die ersten Treffen dienten zur Gruppenfindung, Definition von Gewalt und Durchführung von Einzelinterviews. Die Einzelinterviews wurden auf Video aufgenommen und konnten so als Vorlage für den heißen Stuhl genutzt werden.

Zu Beginn jeder Sitzung gab es den Wochenrückblick. Hier wurde die zurückliegende Woche besprochen, mit den Schwerpunkten Konflikte und Gewalt.

Ansprechpartner:
Dagmar Ehmer-Jundel (Sozialpädagogin, Anti-Aggressivitätstrainerin)
Dieter Hansen (Sozialarbeiter, Anti-Aggressivitätstrainer)
Frank Römhild (Sozialarbeiter, Anti-Aggressivitätstrainer)

Trainerteam:

Dagmar Ehmer-Jundel, Frank Römhild

29.06.2013: erlebnispädagogischer Tag in Grävenwiesbach.
Unter Anleitung vom Erlebnispädagogen Klaus Siepenkötter führte die Gruppe mit dem Trainerteam Kooperations- und Kletterübungen im Hintertaunus (Grävenwiesbach) durch. Diese Einheit war für die Gruppe, sowie jeden Einzelnen sehr wichtig, da Fähigkeiten wie Kooperation, Geduld und Empathie gefördert und gefordert wurden.

Im Mittelteil des AGT-Gruppenprogramms ging es um die eigenen Biographien, Gewalterfahrungen und Erarbeitung von Zielen der einzelnen Teilnehmer.
Methodisch wurden Übungen aus Ansätzen von Psycho- und Soziodrama wie Imaginationsarbeit und Symbolarbeit unterstützt.

das soziale Atom (ein Instrument, die aktuelle und biographisch bedeutsamen Beziehungen und Handlungsgefüge der Heranwachsenden zu veranschaulichen)

Opferarbeit: Uni Klinik Frankfurt, Kampfkunst Schifferstadt, Opfersitzung im Schutzanzug

01.08.2013: Besuch in der Uni Klinik Frankfurt bei Prof. Dr. Frank.
Prof. Dr. Frank führte uns gemeinsam mit Kollege Dieter Hansen durch die Notfallaufnahme, inklusive "Schockraum" und zeigte anhand einer Dia-Schau Verletzungen von Gewalt- und Unfallopfern auf.   

17.08.2013: Besuch der Kampfkunstschule Schifferstadt bei Rüdiger Dahm.
In dieser Einheit erfuhren die Teilnehmer mittels Meditation, Körperübungen und Rollenspielen, dass es vor allem um den“ inneren“ Kampf geht, ob sie Gewalt anwenden oder nicht. Es wurde vermittelt, dass mit jedem weiteren Schlag eines oder mehrere ihrer (Lebens)-Ziele zerstört werden.



ein wahrer Sieger
braucht keine Verlierer



die Last der Opfer

29.08.2013: Opfersitzung im Schutzanzug mit Pit Groß und Mike Palmer.
In dieser Sitzung wurden die Teilnehmer zu verschiedenen Zeiten eingeladen. Es wurde die Straftat im Schutzanzug nachgestellt. Diese wurde anschließend besprochen und der jeweilige Teilnehmer musste die Straftat nochmals aus der Sicht des Opfers schildern und sich in die Person einfühlen. Zum Abschluss der Sitzung wurde ein Entschuldigungsbrief an das Opfer geschrieben.
Zum Ende des Trainings wurde jeweils in einer Sitzung für jeden Teilnehmer ein "heißer Stuhl" durchgeführt. Der heiße Stuhl wurde individuell auf den einzelnen Teilnehmer ausgerichtet. Thematisch wurde nochmals die Straftat, die derzeitige Lebenssituation, Zukunft, Gewaltbiographie wie auch persönliche Stärken bearbeitet. Hierbei kam es zu ernsthaften Gesprächen aber auch zu Konfrontationen mit unangenehmen Themen und zu Provokationstests.

Am 17.10.2013 besuchten wir für einen Tag in der JVA Diez ein Anti-Gewalt-Training im Gefängnis. Der Austausch und die Gespräche mit den langzeitinhaftierten Gewalttätern war sehr intensiv, offen, ehrlich und hat die Teilnehmer nachhaltig beeindruckt.

In der letzten Gruppensitzung wurde ein ausführliches Resumee gezogen, die Teilnehmer verabschiedeten sich in einem Brief von der Gewalt und erhielten ihre Zertifikate.


Zitate:

Ich lasse mich nicht mehr so leicht provozieren und trinke jetzt weniger Alkohol

Mir tut es gut mit Anderen über Probleme zu reden. Ich kann offen meine Meinung sagen.

Ich trinke keinen Alkohol mehr und habe meine Aggressionen besser unter Kontrolle.

der heiße Stuhl

Erwähnen möchten wir unseren Kollegen Stephan Baumgardt, der in mehreren Sitzungen in Vertretung mitgearbeitet hat.
Frankfurt, 28.11.2013

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